John Edmark ist ein Erfinder, Designer und Künstler, der an der Stanford University in Palo Alto, Kalifornien, Design unterrichtet. Zu seinen letzten Kreationen zählt eine Reihe an Skulpturen aus dem 3D-Drucker, deren Proportionen die Fibonacci-Folge widerspiegeln. Wenn Edmarks Skulpturen mit der richtigen Geschwindigkeit unter dem Stroboskop gedreht werden, tritt ein magischer Effekt auf: Die Skulpturen wirken animiert oder gar lebendig! Die Drehgeschwindigkeit ist auf die Blitze des Stroboskops abgestimmt, sodass die Blitze immer genau dann auftreten, wenn sich die Skulptur um 137,5° gedreht hat.
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Diese meisterhaften Illusionen sind das Ergebnis aus einer wunderbaren Verschmelzung von Kunst und Mathematik. Fibonaccis Folge wird als wiederkehrendes Verhältnis beschrieben, das wie folgt ausgedrückt werden kann: F_n = F_{n-1} + F_{n-2}... wobei die ersten beiden Zahlen einer Folge als F_1=1 und F_2=1 definiert werden können. Das bedeutet, dass die Folge mit zwei Einsern beginnt und jede Zahl durch Addieren der zwei vorhergehenden Zahlen bestimmt wird. Somit beginnt die Fibonacci-Folge wie folgt: {1, 1, 2, 3, 5, 8, 13, 21, 34, 55, 89...} usw.

Das Faszinierende an dieser Formel ist, dass sie sogar in der Natur auftritt, unter anderem in der Verzweigung von Bäumen, in der Anordnung von Blättern, im Blütenstand von Brokkoli, bei Nautilus-Schneckenhäusern oder sogar in der Spiralgalaxie, nur um einige Beispiele zu nennen. Die meisten Menschen haben die Fibonacci-Folge wahrscheinlich schon bei zahlreichen Gelegenheiten gesehen, ohne ihr Muster zu erkennen. Einer der Gründe für ihr zahlreiches Vorkommen in der Pflanzenwelt besteht darin, dass die Blätter durch diese spezielle Anordnung am meisten Sonnenlicht abbekommen. Die maximale Sonneneinstrahlung ermöglicht eine bestmögliche Photosynthese, stärkeres Wachstum und einen gesunden Zustand. 

Zu seinen Skulpturen erklärt Edmark auf seiner Webseite Folgendes:
„Während Kunst oft eine Möglichkeit ist, Fantasie auszudrücken, lädt meine Arbeit dazu ein, tiefer in unsere Welt einzutauchen und zu entdecken, wie erstaunlich sie sein kann. Indem wir ein überraschendes Verhalten erleben, werden unser Erstaunen und unsere Entzückung durch die Erkenntnis gesteigert, dass dieses trotz physischer Beschränkungen auftreten kann. Sie können meine Arbeiten als Mittel erachten, um unser Bewusstsein für die manchmal schwache Verbindung zwischen Realität und Wahrnehmung steigern.

Bei der Gestaltung und Herstellung meiner Werke wende ich klare mathematische Gesetze an. Ich tue dies weder aus dem Verlangen, die Präzision per se zum Ausdruck zu bringen, noch um die neuste Technologie zu verherrlichen, sondern, weil die Fragen, die ich versuche, über räumliche Beziehungen zu formulieren und zu beantworten, nur mittels geometrisch präziser Konstruktionen angegangen werden können. Die mathematische Präzision ist eine unverzichtbare Verbündete auf meiner Mission, Klarheit zu erlangen.“

Edmark erforscht mit der Prüfung und Darstellung dieser Ideen ein interessantes Gebiet. Die Grenze zwischen Realität und Wahrnehmung ist oft verschwommen, insbesondere wenn es um so etwas wie künstliche Illusionen geht: Was man sieht, ist nicht immer die Realität. Obwohl Edmarks drehende Skulpturen den Eindruck erwecken, dass sich die Objekte bewegen und verformen, handelt es sich bei den Objekten stets um feste Formen, die ihre Gestalt nicht ändern. Diese Tatsache spiegelt Edmarks Aussage über die „schwache Verbindung zwischen Realität und Wahrnehmung“ wider. Die Verbindung zwischen Wahrnehmung und Realität beschäftigt Philosophen, Mathematiker und Künstler seit Jahrhunderten, wenn nicht gar seit Jahrtausenden, und Edmark leistet mit seinem Versuch, ihre rätselhafte und dennoch faszinierende Natur zu veranschaulichen, fantastische Arbeit.

Was haltet ihr von dieser Kunst? Kanntet ihr die Fibonacci-Folge? Habt ihr sie schon einmal an irgendeinem ungewöhnlichen Ort wiedererkannt? Schreibt uns eure Gedanken in einem Kommentar.