Für die meisten Menschen ist es absolut undenkbar, dass Eltern ihr eigenes Kind vorsätzlich in Gefahr bringen. Insbesondere mit einer Mutter verbindet man tiefe Hingabe und einen großen Schutzinstinkt, deshalb ist es umso seltsamer, wenn eine Frau diesen natürlichen Instinkt, ihr Kind zu beschützen, nicht empfindet. Noch schlimmer sind jedoch Fälle wie jener von Candida Fluty, die die Infusion ihres 9 Jahre alten Sohns absichtlich mit Fäkalien verunreinigte.

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Die 35 Jahre alte Candida lebt mit ihrer Familie (sie hat drei weitere Kinder) in Kermit, West Virginia. Ihr Sohn befand sich kürzlich für eine Behandlung im Cincinnati Children’s Hospital Medical Center for Hirschsprung’s Disease. Bei Morbus Hirschsprung handelt es sich um eine Erkrankung des Dickdarms, die zu schweren Verstopfungen führen kann. Oft fällt die Erkrankung bereits kurz nach der Geburt auf, weil die Babys aufgrund fehlender Nervenzellen in den Dickdarmmuskeln kein Kindspech absetzen. Im Rahmen seines Krankenhausaufenthalts bekam Candidas Sohn einen künstlichen Darmausgang mit Stomabeutel gelegt. Sicherheitskameras filmten, wie Candida diesen entleerte und den Inhalt wieder in die Infusion ihres Sohnes gab.

Wie kann eine Mutter ihrem eigenen Kind so etwas antun? Am wahrscheinlichsten ist, dass sie unter einer psychischen Erkrankung mit der Bezeichnung „Münchhausen-Stellvertreter-Syndrom“ leidet. Diese äußert sich darin, dass die erkrankte Person versucht, Aufmerksamkeit zu erlangen, indem sie so tut, als sei eine ihr nahestehende Person körperlich oder mental krank, oder dieser Person sogar körperlichen oder physischen Schaden zufügt, so auch in Candidas Fall. Laut Cleveland Clinic sind die meisten Erkrankten Mütter, manchmal auch Väter. In den allermeisten Fällen liegt eine Eltern-Kind-Beziehung zugrunde. Die fünfte Ausgabe des The Diagnostic and Statistical Manual of Mental Disorders beschreibt die Symptome wie folgt: „Vortäuschen körperlicher oder psychologischer Anzeichen oder Symptome und Verursachen von Krankheiten oder Verletzungen bei Dritten“. Allerdings bestünde kein Beweis dafür, dass die Betroffenen ein Verlangen nach externen Belohnungen verspüren, d h. sie handeln nicht zum Beispiel aus finanzieller Motivation, sondern wahrscheinlich einzig und allein aufgrund ihres Bedürfnisses nach Aufmerksamkeit.

Candida Fluty wurde am 17. Januar 2015 verhaftet und nach Entrichtung einer Kaution in Höhe von 50 000 USD wieder aus dem Gefängnis entlassen. Der schweren Körperverletzung und Gefährdung des Kindeswohls angeklagt, plädierte Candida zunächst auf nicht schuldig, gab jedoch später zu, die Tat begangen zu haben. Sie erhielt eine Gefängnisstrafe von 6 Jahren, womit sie noch recht gut davonkam, wenn man bedenkt, dass ihr Sohn wahrscheinlich gestorben wäre, wenn das Krankenhaus nicht auf sie aufmerksam geworden wäre. Ehe Candida sich am 8. Juli erneut vor Gericht melden muss, darf sie vor Antritt ihrer Haftstrafe wieder nach Hause. Ihre vier Kinder im Alter von 9-17 Jahren befinden sich unter der Obhut ihrer Tante. Candida wurde ein striktes Kontaktverbot auferlegt. Bei der Urteilsverkündung brach sie in Tränen aus.

Was sagt ihr zu dieser bizarren Geschichte? Glaubt ihr, dass Candida unter dem Münchhausen-Stellvertreter-Syndrom leidet? Findet ihr, Candida ist mit 6 Jahren Gefängnis zu leicht davongekommen? Schreibt uns eure Gedanken in einem Kommentar.